Warum Wissen allein oft nicht reicht
Aktualisiert: 26. Sept.
Manchmal wissen wir längst, was wir verändern müssten und tun es trotzdem nicht. Und genau das macht es so frustrierend.
Wir wissen, dass wir öfter Nein sagen sollten. Dass die Zigarette uns nicht wirklich entspannt. Dass wir uns nicht ständig mit anderen vergleichen sollten. Dass Grübeln ein Problem selten löst.
Es fehlt also nicht unbedingt an Wissen. Und trotzdem reagieren wir in der entscheidenden Situation wieder genau gleich.
Warum verändert sich unser Verhalten nicht automatisch, nur weil wir etwas verstanden haben?
Verstehen ist nicht dasselbe wie Erleben
Nehmen wir das Nein-Sagen.
Du kannst sehr genau verstanden haben, dass du Grenzen setzen darfst. Vielleicht hast du dir sogar vorgenommen, es beim nächsten Mal anders zu machen. Dann kommt die Situation. Jemand bittet dich um etwas. Du spürst eigentlich ein Nein – und hörst dich trotzdem Ja sagen.
Warum?
Weil hinter unserem Verhalten nicht nur Gedanken stehen. Frühere Erfahrungen, Gefühle und Erwartungen können ebenfalls eine Rolle spielen:
Was passiert, wenn ich Nein sage? Enttäusche ich jemanden? Entsteht ein Konflikt? Werde ich abgelehnt?
Zu wissen, dass du Nein sagen darfst, ist das eine.
Etwas anderes ist die Erfahrung:
Ich kann Nein sagen und trotzdem verbunden bleiben.
Und genau darin liegt ein wichtiger Unterschied.
Veränderung braucht neue Erfahrungen
Wenn wir etwas verändern möchten, brauchen wir deshalb manchmal mehr als eine neue Erkenntnis. Wir brauchen die Erfahrung, dass es auch anders gehen kann. Das zeigt sich sehr schön beim Rauchen.
Wer die Zigarette mit Pause und Entspannung verbindet, braucht meist nicht noch mehr Informationen darüber, warum Rauchen ungesund ist. Das ist längst bekannt.
Entscheidend kann vielmehr die neue Erfahrung sein:
Ich kann zur Ruhe kommen, durchatmen und mir eine Pause gönnen – ohne Zigarette.
Damit entsteht eine Alternative zum bisherigen Verhalten. Nicht nur als Gedanke, sondern als etwas, das erlebt werden kann.
Das gilt auch für andere Veränderungen:
Ich kann eine Grenze setzen, ohne mich schuldig zu fühlen.
Ich kann mich zeigen, ohne perfekt sein zu müssen.
Ich kann einen unangenehmen Moment aushalten, ohne sofort in mein gewohntes Verhalten zurückzufallen.
Neue Erfahrungen können nach und nach verändern, was wir uns selbst zutrauen.
Was Hypnose damit zu tun hat
Genau hier kann Hypnose interessant sein.
In Hypnose richtet sich die Aufmerksamkeit stärker nach innen. Dadurch können wir uns intensiver mit inneren Vorstellungen, Reaktionen und möglichen neuen Erfahrungen beschäftigen.
Es geht dabei nicht darum, dem Unterbewusstsein einfach einen neuen Gedanken «einzupflanzen». Und auch nicht darum, ein unerwünschtes Verhalten wegzumachen.
Vielmehr kann Hypnose einen Rahmen bieten, in dem eine andere Reaktion innerlich erlebt und erprobt wird.
Beim Rauchstopp könnte das beispielsweise bedeuten, sich eine vertraute Situation vorzustellen – den Kaffee am Morgen, eine Pause oder einen stressigen Moment – und sich darin bereits als Nichtraucher:in zu erleben.
Nicht nur:
«Ich weiss, dass ich keine Zigarette brauche.»
Sondern:
«Ich erlebe, wie dieser Moment auch ohne Zigarette sein kann.»
Für mich ist das ein wesentlicher Unterschied.
Impuls zum Nachdenken
Gibt es etwas, das du eigentlich schon lange weisst und trotzdem gelingt es dir nicht, danach zu handeln?
Dann frag dich einmal nicht:
«Warum schaffe ich das nicht?»
Sondern:
«Welche neue Erfahrung würde mir helfen, anders zu reagieren?»


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